Fragen zur Tillandsiendüngung

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Timm Stolten
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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von Timm Stolten » Montag, 13 April 2015, 20:47

Matthias Lieber hat geschrieben:Warum sollte ich meine Pflanzen düngen, wenn sie recht regelmäßig blühen und sich relativ gut vermehren???
...
Also doch auf Verdacht impfen?


Moin Matthias,
wenn ich mal gehässig sein darf: Isst Du nur Wasser und Brot?
Wer sich gesund ernährt und genügend Vitamine etc. zu sich nimmt, wird weniger krank und lebt länger.
Natürlich ist das eine ähnliche Glaubensfrage wie zwischen Veganern und Grillfreunden. Aber vergleiche mal einen neureichen Labrador aus Schwabing mit einem Strassenköter in Athen. (Über)Leben tun beide.
:roll:

Matthias Lieber hat geschrieben:Woher weiß ich, was ihnen fehlt oder ob ihnen überhaupt etwas fehlt und wenn ja - in welcher Menge???

Stickstoffmangel erkennt man besonders bei grünen Trichtern daran, dass die alten Blätter hellgrün bis gelb werden bzw. gelbe Spitzen bekommen. Stickstoff (N) ist ein mobiles Element d.h. es wird bei Bedarf von der Pflanze dorthin geleitet, wo es am dringensten benötigt wird, also ins Herz. Bei Mangel wird es aus den alten Blättern abgezogen, diese werden dann gelb.

Kaliummangel erkennt man besonders bei grünen Trichtern daran, dass die jungen Blätter und das Herz hellgrün bis gelb werden. Kalium ist ein immobiles Element, ist also nicht so gut frei beweglich innerhalb der Pflanze und wird schnelle festgelegt.

Magnesiummangel erkennt man bei Bromelien daran, dass die jungen Blätter zusammenkleben und sich nicht öffnen. Neue Blätter kommen nicht oder nur schwer durch und im Extremfall bleibt der ganze Trieb stecken. Kann auch zu Blattaufhellungen führen und so mit den eben genannten verwechselt werden.

Dies sind nur Anhaltspunkte und von diversen anderen Umständen abhängig.

LG Timm
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Arvensis
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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von Arvensis » Dienstag, 14 April 2015, 20:45

Grundsatzdiskussionen sind so eine Sache.

Kein lebender Organismus besteht nur aus "Luft und Liebe". Die Pflanzen mit einer extrem angepassten Physiologie sind durchaus weniger dem Dünger zugeneigt, aber völlig davon abkommen können die auch nicht.

Wenn möglich wässere ich meine Pflanzen mit Regenwasser, das mehr oder weniger natürliche Stoffe enthält; Giftstoffe wie Autoabgase können Pflanzen filtern. 2x im Jahr dünge ich zusätzlich mit einem handelsüblichen Billigdünger mit 1/3-Verdünnung. Dieser hat meiner Ansicht nach im Gegensatz zu vielen mittelpreisigen Fachdüngern den höchsten Kalium-Anteil.

Kalium ist ein Zell-"Stabilisator", Stickstoff bewirkt eine Volumenvergrößerung, schwächt aber auch die Zellstabilität erheblich. Die Pflanzen blähen sich einfach nur auf und erzeugen ein scheinbar tolles Größenwachstum. Sonnenbrand und höhere Kälteintoleranz, Krankheiten und Wachstumsstörungen können da die Folge sein.

Gruß

Alex

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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von Hexe » Mittwoch, 17 Oktober 2018, 22:59

Ich habe mal eine Frage an die Experten:
Kann mir jemand erklären, was es mit dem "pulverisieren" auf sich hat? Da ich mir darunter eine Art des düngens vorstelle, habe ich die Frage hier eingestellt.
Ich lese immer wieder mal als Pflegehinweis in den Onlineshops:2-3x pro Woche pulverisieren. Für welche Arten wäre das wichtig oder geeignet? Was sollte man zum pulverisieren bestenfalls verwenden? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

LG
Anne

Arvensis
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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von Arvensis » Donnerstag, 18 Oktober 2018, 2:46

Hallo,

2-3x pro Woche ?
Ein sehr seltsamer Hinweis.

Also ich kenne den Begriff nur aus dem Gartenbau, und da geht es um das a) Verfahren zur Herstellung von Hart-Dünger und b) dem Bestreuen von Pflanzen oder der Substratoberfläche zur Behandlung/Vorbeugung bei Krankheiten, z.B. Pilzinfektionen (Mehltau usw.)

Dünger: einfach gesagt getrocknete gemahlene Hart-Komponenten wie Treste,Kalkstein, Eierschalen, Kaffeesatz, bestimmte Pflanzenreste usw. setzt man in Lagen zwischen Normalerde oder Kompost (ist also Streudünger). Du könntest das also für Pflanzen mit ausgeprägten Wurzelsystem verwenden, gewissermaßen als ein Langzeitdünger.

Man könnte diese Stoffe auch in Wasser auflösen, aber da die meisten Bromelien nur geringen Düngerbedarf haben ist das so eine Sache; hier muss man genau wissen welche Ausfallstoffe entstehen die ein bestimmter Pflanzentypus benötigt und ob diese Pflanzen überhaupt über die Wurzeln Nährstoffe aufnehmen. Unterschieden werden müssen Mineraldünger und organische Dünger.

Bromelien mögen alle keine festen Bestandteile auf den Blättern da sie dadurch verklebt werden.


VG

Alex

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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von Arvensis » Donnerstag, 18 Oktober 2018, 3:08

Pflanzen und ihre Vorlieben:

Ich vereinfache hier mal: Hochmoorpflanzen und Epiphyten sind aufgrund geringen Nährstoffangebotes hochspezialisiert und benötigen eher Spurenelemente (Natrium, Kalium, Mangan), bevorzugen meist ein eher (leicht) saures Milieu das z.B. durch den Zerfall von Laub und kleinen Tieren entsteht (Trichterpflanzen !).

Bodenpflanzen mit ausgeprägten Wurzelsystem sind "breiter gestreut".
Alpine Pflanzen und Lithophyten sind natürlich eher Kalk, Kieselsäure usw. geneigt.
Kurzlebige Pflanzen die schnell wachsen müssen benötigen z.B. Nitrat und Phosphor für schnelles Wachstum, dies wird am Boden z.B. durch tierische Ausscheidungen gewährleistet.

Die meisten Dünger enthalten sehr viel Stickstoff (Nitrat) das zwar ein schnelles Wachstum, aber auch Zell-Instabilität (z.B. lange ,sehr große weiche Blätter, geschmacklose (wässrige) Früchte, blasse Farben) bewirkt.

Einen Natrium/Kalium-Mangel erkennt man z.B. am plötzlichen vergilben von eigentlich grünen Blättern (Chlorose).

Ein guter selbstgemachter Bio-Dünger z.B. für Orchideen, Bromelien ist ein Flüssigsatz aus Eichenlaub und Kaffee der später verdünnt wird. Enthält sehr viele hochwertige Spurenelemente. Mittlerweile gibt es aber sehr gute Bio-Dünger zu kaufen.

Persönlich verwende ich einen billigen Flüssigdünger der hohen Kalium-Anteil hat, hier muss man einfach vergleichen.

VG

Alex

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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von pela » Donnerstag, 18 Oktober 2018, 8:06

Hallo

in Regel ist das gemeint
pulverisieren
:2-3x pro Woche Mit Wasserzerstäuber benetzen.

Ist schlechte übersetzung vom Org.English Text auf DE

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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von Hexe » Donnerstag, 18 Oktober 2018, 8:47

Vielen Dank für eure Antworten. Ich konnte bisher nämlich nie genauere Angaben zu diesem Thema in Bezug auf Bromelien finden können. vielleicht auch an der falschen Stelle gesucht...
Ja der Gedanke mit dem Verkleben kam mir auch.

Bisher habe ich immer Flüssigdünger verwendet für Zimmerpflanzen, also nen ganz einfachen. Ich weiß das meist Orchideendünger empfohlen wird.Ansonsten bekommen meine nur Regenwasser. Nur wenn ich da gar nicht rankomme, z. B. diesen Sommer durch die extreme Trockenheit hole ich destilliertes Wasser. Das aber eben nur im Notfall.

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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von Denis Gödecke » Donnerstag, 18 Oktober 2018, 13:43

Dest. Wasser für Düngergaben ist vollkommen richtig, wenn klein sauberes Regenwasser zur Verfügung steht. Besser ist es niedrig zu dosieren 600 ... 800 µS (ggf. die Hälfe der angegebenen Dsoierempfehlung), im Sommer kann man damit wöchentlich sprüchen/gießen, im Winter ehr alle vier Wochen.
Alle Angaben sind reine Glaubenssache, weil kaum ein Thema so viele verschiedene Meinungen hat.

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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von Arvensis » Donnerstag, 18 Oktober 2018, 14:49

Toll,
da schreibe ich mir einen Wolf und gemeint ist "Bestäuben" mit Wasser.
:lol:

Da war ich heute morgen wohl nicht wach genug. :ewall

Gruß

Alex

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Hexe
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Re: Fragen zur Tillandsiendüngung

Beitrag von Hexe » Donnerstag, 18 Oktober 2018, 20:52

Alex ich find deine ausführliche Antwort super. ich wollte ja wissen, was es damit auf sich hat. :wink:

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