Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Fragen zur Kultur und Pflege, Vermehrung, Düngung, Technik,
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Gech
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Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Gech » Montag, 1 Oktober 2012, 21:00

Hallo an alle, die das lesen!

Ich brauche nur relativ wenig Gieß- und Sprühwasser, da mein Bestand an Tillandsien nicht allzu groß ist. Im Sommer verwende ich Regenwasser, das bei mir - ich wohne auf dem Land - ziemlich sauber ist, vor allem dann, wenn es bereits einige Zeit geregnet hat.
Gut, aber im Winter sieht das anders aus. Unser Leitungswasser ist zwar als Trinkwasser von höchster Qualität, frei von Chlor und irgendwelchen Chemikalien, doch es ist verhältnismäßig hart (GH 19°, KH 14°). Nun habe ich mir eine kleine Umkehrosmose-Anlage zugelegt. Da kommt natürlich jetzt reinstes Wasser heraus - so gut wie destilliertes.
Die Frage ist nun, wie ich dieses Wasser am besten "aufbereiten" soll, damit es als Gieß- und Sprühwasser tauglich ist.
Möglichkeit 1: Ich mische normales Leitungswasser zu, und zwar so viel, daß ich auf eine Härte von, sagen wir 3 - 4 komme.
Möglichkeit 2: Ich gebe zu diesem reinen Wasser jedesmal von vornherein eine gewisse, geringe Menge geeigneten Dünger.
Für den Rat der Experten bin ich jederzeit dankbar!

Gunther

Gech
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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Gech » Sonntag, 7 Oktober 2012, 19:05

Na also so was! Ich kann mich ja vor lauter Antworten gar nicht mehr retten! :D

Gunther

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Denis Gödecke
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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Denis Gödecke » Sonntag, 7 Oktober 2012, 20:25

Hallo Gunther,
ich hatte schon mal angefangen ... Jetzt noch mal von vorn:

Eigentlich machst Du meiner Meinung nach alles richtig. Rein von der Wassergüte reicht es, wenn Du das Leitungswasser mit ein bis zwei Teilen Aqua dest. mischst. Bromelien haben ja kein Velamen. Als grobe Regel für die Saugschuppen bei den Tillandsien kann man vorschlagen: Sieht man keine dicken Kalkablagerungen/Wasserränder an den Trichtern, so verstopfen auch nicht die Saugschuppen.
Soweit zum Bewässern.

Die andere Frage greift in die Philosohie des Düngens. Hier gibt es so viele verschiedene Meinungen. Ganzjährig gleichmäßiges Düngen wäre von Vorteil, wenn die Pflanzen unter guten Bedingungen das ganze Jahr wachsen könnten. Weil bei uns, anders als am Äquator, die Vegetationszeit durch den Lichtmangel im Winter begrenzt wird, sollte man/frau ab Anfang August nicht mehr düngen. Somit induziert man/frau - verbunden mit einer Reduzierung der Wassergaben und ggf. auch einer kleinen Absenkung der Temperatur - eine Vegetationsruhe. Hat sich jedenfalls bewährt, wenn man nicht möchte, dass die Pflanzen durch den Lichtmangel im Winter ihren natürlichen Habitus verlieren.
Steht noch eine Frage: Wie viel ist eine "gewisse Menge"
Hier kann ich nur meine Meinung sagen: Weniger ist mehr. Da wir Liebhaber keine Massen produzieren möchten, muss man nur soviel düngen, dass die Pflanze keinen Mangel erleidet. Im Frühjahr und Frühsommer möchte und soll die Pflanze wachsen, also kann dann (vorher) gedüngt werden. Hierbei sind aber nicht die Angaben auf der Fertigpackungen verbindlich. Es ist besser nur die Hälfte oder weniger der angegebenen Menge zu verwenden. Dafür kann ruhig wöchentlich mit der stark verdünnten Lösung gegossen/gesprüht werden. Muss nicht, kann aber - Pflanzen wachsen im Sommer meistens auch so draußen - gerade wenn der Sommer so verhältnismßig regelmäßig Regen brachte, wie dieses Jahr.
Viel Erfolg!
Gruss Denis
PS: Wichtig ! Bin kein Experte - glänze aber mit Halbwissen!

Gech
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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Gech » Sonntag, 7 Oktober 2012, 21:11

Hallo Denis,

vielen Dank für Deine Antwort! Sie hat mich in dem bestätigt, was ich mir ohnehin überlegt hatte. Gut so!
Ich werde also mein reines Osmosewasser mit einer geringen Menge Leitungswasser mischen, jedoch nicht von vornherein Dünger dazugeben.
Wenn ich oben von einer "gewissen Menge" Dünger geschrieben habe, so meinte ich damit eine sehr geringe Menge. Ich war auch bisher beim Düngen immer sehr sparsam. Ich habe immer wesentlich weniger verwendet als auf dem Produkt vermerkt war, und ich habe auch seltener gedüngt. Zur Zeit verwende ich die Düngerlösung, die die Gärtnerei Dötterer in Freiberg/Neckar anbietet - ich habe sie vor einiger Zeit mit einigen Tillandsien mitbestellt. Ich weiß nicht, ob es dazu einschlägige Erfahrungen gibt? Ich nehme nur die Hälfte der empfohlenen Konzentration - damit sprühe ich während der Wachstumszeit ungefähr jedes zweite Mal.

Beste Grüße!
Gunther

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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Andreas Böker » Mittwoch, 10 Oktober 2012, 22:24

Hallo Gunther,

mit einer fundierten Aussage zu destilliertem Wasser aus deiner Anlage kann ich dir auch keinen Expertenrat geben, aber aus dem Bauch heraus würde ich auch sagen, das das Mischen ausreichen solte.

Zum Düngen kann ich vielleicht noch etwas beitragen: ich dünge mit handelsüblickem Flüssigdünger bei ca, 2 Promille, bei mir 2l Flüssigdünger auf 1000l Gießwasser plus einer Spur Bittersalz (ca. 2 Teelöffel). Allerdings bin ich Dauerdünger, da ich der festen Überzeugung bin, dass eine konstante Düngung am ehensten den natürlichen Gegebenheiten entspricht, aber eben niedrig dosiert. Auch zur Winterdüngung habe ich eine etwas andere Meinung. Zumindest im Gewächshaus reduziere ich im Winter die Wassergaben auf 1/4 bis 1/8 der im Sommer notwendigen Menge (im Sommer fast täglich, im Winter max. 1x wöchentlich), so dass sich die absolute Düngermenge auch entsprechend reduziert. Klar sind die Pflanzen im Winter länger feucht und sie nehmen dadurch mehr der verabreichten Feuchtigkeit und auch des Düngers auf, aber insgesamt reduziert sich die Düngermenge doch erheblich.

Ich würde also mit konstanter, sehr geringer Konzentration durchdüngen. Aber wie gesagt, nur meine Erfahrungswerte!
Andreas Böker

...... www.tillandsia-web.de

Harro
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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Harro » Mittwoch, 10 Oktober 2012, 22:35

Hallo,
ich habe noch nie gedüngt.

Gruß
Harro

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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Jan Claus » Donnerstag, 11 Oktober 2012, 7:11

Hallo Freunde des Wassers,

eventuell solltet ihr mal über ein Leitwertmessgerät nachdenken, da könnt ihr wenigstens einer Überdüngung vorbeugen und auch Vergleichsmessungen anstellen. Ich denke mit einem Leitwert von 200 - 300 Mikrosiemens liegt man bei Bromelien richtig.So eine Messung sagt natürlich nichts über Inhalte einer Düngermischung aus, schützt aber vor Düngeschäden. Wer mit "sauberen" Regenwasser gießt, hat aber immer einen Nährstoffanteil im Wasser, z.b. durch Blütenstaub, Vogelkot usw. Nur wer reines destilliertes Wasser verwendet, düngt nicht! Aber keine Panik, Bromelien ertragen eine Menge Pflegefehler.

Gruß Jan

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Denis Gödecke
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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Denis Gödecke » Donnerstag, 11 Oktober 2012, 9:03

@Jan - Salve dem Vermehrer :salut
und allen Bromelienfreunden - Hallo!
Die Leitfähigkeit ist ein Anhaltswert, da er die Summe der Salze oder genauer die Summe der osmotisch wirkenden Substanzen im Wasser wiedergibt (Stichwort: Wasseraufnahmefähigkeit). Die Orchideenleute sagen hier so um 400 µS ist das Optimum. Bis 600 µS dürfte das Wasser noch gut sein. In der Regel sind die meisten Salze im Trinkwasser die Härtebildner, weil das Trinkwasser meist aus Grundwasser gewonnen wird. Hier sind die geologischen Verhältnisse im Gewinnungsgebiet ausschlaggebend (würde jetzt zu weit gehen). Die einfachste Art deren Konzentration bzw. Fracht zu verringern, ist halt das Strecken mit Aqua dest.
Im Niederschlagswasser sammeln sich allerlei Aerosole und lösen sich Gase. Dazu kommen dann, die bei der Benetzung von Oberflächen abgewaschenen Stoffe (neben Vogelkacke und anderen organogen Resten auch feinste Bodenteilchen, Flugasche und Luftschadstoffe). Die klugen Wissenschaftler haben in verschiedenden Studien übereinstimmend festgestellt, das die Luftinhaltstoffe über einem Einzugsgebiet (Regen) eigentlich größtenteils verfrachtet aus hunderte, manchmal tausende Kilometer gegen die Windrichtung liegenden Gebieten stammen. So ist also eine Grundlast zur Düngung vorhanden. <<OFFTOPIC: Sinn von Umweltzonen :scratch >>

Fazit: Es macht schon Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, welches Wasser man/frau verwendet und die Düngung darauf abzustimmen.

Noch ein letzter Klugschiss: Man kann durch zu viel düngen, irreparable Schäden an den Pflanzen anrichten. Bei zu wenig Düngung (nicht ohne), wachsen die Pflanzen halt nur langsamer.

Herzliche Grüsse
Denis

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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Gech » Donnerstag, 11 Oktober 2012, 9:58

Vielen Dank Euch allen!

Die Gefahr einer Überdüngung oder Übersalzung besteht bei mir ganz bestimmt nicht. Ich sagte ja, daß ich mit Dünger äußerst sparsam bin (oft hab ich es auch schlicht vergessen).

Ein Leitwertmessgerät habe ich (noch) nicht. Aber:
- Das bisher verwendete Regenwasser verdunstet auf einer Glasplatte praktisch rückstandsfrei, d.h. es enthält (wenn überhaupt) nur minimale Mengen gelöster Feststoffe.
- Mein Leitungswasser dürfte wohl zu den saubersten Wässern in Deutschland gehören. Alpenrand - das Wasser kommt aus Quellen in ca. 1000 m Höhe. Ich kenne die regelmäßig durchgeführten Analysen. Außer den Kationen Ca und Mg, sowie den dazugehörigen Anionen Hydrogencarbonat und (wenig) Sulfat ist fast nichts drin. Nitrat gerade noch nachweisbar, alles andere unter der Nachweisgrenze.

Mein einziges Problem - wenn man das also so nennen darf - ist die Karbonathärte. Deshalb also die Umkehrosmose-Anlage. Deshalb meine Eingangsfrage, wie ich am besten mit dem reinen Wasser verfahren soll. Ich denke aber, das dürfte jetzt geklärt sein.

Beste Grüße!
Gunther

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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Woodman » Donnerstag, 11 Oktober 2012, 21:38

Hallo Bromelienfreunde,
da ich Harro's Bilder immer online stelle, hat er mich gebeten, diesen Text und das Bild in's Forum hier rein zu stellen:

Till. thiekenii, grazielae und hondurensis alle ohne Düngung. Es dauert vielleicht ein bißchen länger bis sie so groß sind, aber Tillandsien sind nicht für Ungeduldige. In der Natur habe ich nur viel kleinere Pflanzen gesehen und gesammelt. Ich denke bei der Menge, die ich gesehen habe, kann ich vergleichen. Viele Arten sind hier bei uns in der Kultur unnormal groß. Am Standort von Till. thiekenii und grazielae betrug die Größe der ausgewachsenen Pflanzen höchtens 2/3 der von mir hier gezeigten.
H. Heidt ohne Dünger DSC06305.JPG

Gruß
Harro
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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von JoachimInB » Donnerstag, 11 Oktober 2012, 23:12

Gech hat geschrieben:Möglichkeit 2: Ich gebe zu diesem reinen Wasser jedesmal von vornherein eine gewisse, geringe Menge geeigneten Dünger.

So mache ich es. Eine Messerspitze "Hakaphos rot" auf 5 Liter. Ab und zu auch andere Dünger in ca. 1/10-1/5 der angegebenen Konzentration.

Einen Tipp noch: Ich gebe auf 5 Liter immer einen Tropfen flüssige Seife (zum Händewaschen) dazu. Das verringert die Oberflächenspannung und soll die Aufnahme des Wassers begünstigen. Desweiteren verringere ich den pH-Wert durch einen Spritzer Zitronensaft. Tipp von unserem brasilianischen Dyckia-Freund Constantino.

Ob das besser ist als deine andere Möglichkeit, weiß ich nicht. Aber seit ich das so mache (besonders mit Zitronensaft und Seife!), habe ich im Vergleich zu früher eine wirklich merkliche Verbesserung des Wachstums feststellen können.

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Denis Gödecke
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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Denis Gödecke » Freitag, 12 Oktober 2012, 0:31

@JoachimInB
Dein Rezept
klingt ein bisschen so:Bild

Wie oft ist "jedesmal" als Zeitangabe? Wenn ich meine Frau rufe, kommt Sie auch "gleich". Alles relativ ...
Mit dem Ansäuern habe ich aber auch schon öfters gehört, insbesondere der Anwendung von organischen PSM und Pflanzenstärkungsmitteln, allerdings dort mit einfacher Ansäuerung durch Essig. Eine verständliche Erklärung habe ich dafür noch nicht bekommen (oder ich habs vielleicht auch einfach nicht kapiert).
Gruss Denis

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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Jan Claus » Freitag, 12 Oktober 2012, 6:57

Ihr macht mir langsam Angst und ich frage mich, ob wir hier alle das gleiche Hobby betreiben. :ethink

Gruß Jan

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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von JoachimInB » Freitag, 12 Oktober 2012, 8:30

Kleiner Nachtrag: Der beschriebene positive Effekt auf das Wachstum war mehr auf terrestrische Bromelien bezogen, aber nicht "nur" Dyckia & Co sondern auch z.B. Orthophytum. Das (leichte!) Ansäuern soll die Aufnahme der Nährstoffe begünstigen, die wohl bei Bromelien bei pH>7 erschwert wird (und dann zur Ansammlung ungenutzter Salze führt). Bei den Tillandsien ist der Effekt evtl. nicht so groß und ich muss sagen, dass ich mit denen unter meinen derzeitigen Bedingungen mit denen eh kein rechtes Glück habe. In den guten alten Hamburger Zeiten brauchte ich die Tillandsien nur im Mai an in den Garten hängen und im Oktober wieder reinräumen. Und gewässert wurde nur durch Regen- oder Leitungswasser im Garten, bzw. Aquarien- oder Leitungswasser im Haus. Dort war Leitungswasser problemlos direkt für Tillandsien verwendbar und brachte im Grunde alles mit. Das Leitungswasser in Hamburg ist aber nicht einmal halb so verkalkt wie in Berlin! Gewachsen sind die Pflanzen super!

@Denis: jedesmal heißt bei jedem Gießen. Ich mache da auch keine Unterschiede beim Wasser zwischen den verschiedenen Pflanzen-Kategorien. Allerdings hat sich gezeigt, dass ich die Dyckien im Winter gar nicht düngen darf, da diese ohne (richtig viel!) Kunstlicht über den Winter dünnere Blätter schieben und unansehnlich werden. Am besten sollten die gar nicht wachsen, aber dann müssten sie bei 10-15 Grad stehen und das habe ich leider nicht zur Verfügung. Gleiches Problem wie bei Kakteen, Agaven uswusf.

Harro
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Re: Vollentsalztes Wasser - eine Frage

Beitrag von Harro » Freitag, 12 Oktober 2012, 11:22

Hallo,
als ich das letzte Mal in Brasilien am Standort von T. thiekenii war regnete es stark. Plötzlich erschien am Himmel eine riesengroße Flasche mit der Aufschrift " Spezialdünger für Tillandsien und Orchideen" und ergoss sich in den Regen. KLEINER SCHERZ
Das Regenwasser in Südmerika ist genau wie bei uns sehr weich. Mehr als diesen Regen bekommen die Pflanzen nicht ab. Natürlich, wie schon angeführt wurde, fliegt Sand usw. durch die Gegend, der sich zwischen den Blättern ablagert. Bei uns hier passiert dies auch wenn die Pfalnzen in der Sommerfrische draußen hängen.
Das Wasser was hier oft aus der Leitung kommt ist meistens mittelhart bis teilweise sehr hart. Dies ist nicht günstig für Tillandsien. Also sollte man es mischen. Selbst wenn man es mit Osmosewasser mischt ist noch genügend drin damit die Pflanzen wachsen.
Vor vielen Jahren haben Dr. Feger aus Lörrach und ich einen Versuch durchgeführt. Unser Wasser hier ist sehr hart. Er hat Till. usneoides nur mit diesem Wasser besprüht, ich unter der Brause klatschnass gemacht. Es zeigten sich recht bald Unterschiede. T. usneoides, die nur leicht besprüht wurde, wuchs nicht mehr und konnte gerade noch am Leben erhalten werden. Meine "Duschtillandsien" wuchsen aber ohne Probleme weiter. Wir haben es so ausgelegt: Mit der Zeit haben sich scheinbar beim Besprühen kleine Kalkpartikel abgesetzt und so verhindert, dass Nahrung aufgenommen werden konnte. Beim Duschen wurden die Pflanzen immer vollkommen nass und der Kalk wurde fast vollstandig abgespühlt. Es blieb immer nur ein kleiner Rest an der Pflanze und störte nicht die Nahrungsaufnahme.
Deshalb glaube ich, weniger Hokuspokus und Tara, den man mit den Pflanzen veranstaltet ist mehr. Ich habe wahrscheinlich den Vorteil, dass ich oft und zu verschiedenen Zeiten an den Standorten war und bin der Meinung, dass Tillandsien Überlebenskünstler sind bzw. sein müssen und schlecht vertragen wenn sie verhätschelt werden. Die Evolution hat sie zu dem gemacht was sie sind. Darüber sollte man mal nachdenken. Auch der Mensch wird krank wenn er zuviel Nahrung zu sich nimmt. Die Natur hat es so eingerichtet.
Gruß
Harro

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