Planung eines Gewächshauses

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Timm Stolten
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Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Timm Stolten » Montag, 24 Oktober 2016, 19:17

Hallo Freunde,
seit langer Zeit sind wir nun schon auf Häuslesuche, jetzt haben wir was an der Angel. Und wenn DAS klappt, dann könnte der Traum eines eigenen kleinen Gewächshauses endlich wahr werden. Die Idee ist, ein Anlehngewächshaus an einer Südwestfassade anzubauen, Größe ca. 15 qm.

Bei der ersten Suche im Internet stoße ich leider meist auf Angebote, die einem eher einen kuscheligen Wintergarten anbieten, der aber weder eine ordentliche Lüftung geschweige denn eine Schattierung oder andere Extras bietet.

Nun mal ein paar Fragen in die Runde an alle, die bereits eines besitzen:
- Firma: Wer hat gute/schlechte Erfahrungen gemacht und mag diese teilen? Welche Firma kann man empfehlen, welche nicht so sehr?
- Gibt es auch Gewächshauser mit gescheiter Steuerung für Lüftung und Heizung oder muß man da selbst nachrüsten?
- Lieber geschlossenes Fundament oder offener Boden mit Punkt-Fundamenten? Wie sieht es bei letzteren mit Mäusen und anderen Untergrabungen aus?
- Gibt es bezahlbare Aussenschattierungen, die sich automatisieren lassen?

Wäre für ein paar Tipps dankbar ... ogottogottogott, ich bin so aufgeregt ;-)

LG Timm
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Denis Gödecke
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Re: Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Denis Gödecke » Montag, 24 Oktober 2016, 21:52

Hallo Timm,
bei den typischen Gartengewächshäusern wirst du wahrscheinlich nicht findig werden. Unter dem Schlagwort Gewächshausbau findet man(n) einige der richtigen Firmen. Das ist aber vermutlich auch kostenintensiver. Die sind alle gut ausgebucht, obwohl die Preise noch am Boden sind.
Wir haben mit GTW Gewächshaustechnik Werder GmbH
http://www.gewaechshaustechnik-werder.de/
gebaut. Alles gut, aber die Augen muss man immer offen halten und vorher (!) per Leistungsverzeichnis oder -beschreibung genau darlegen, was es werden soll (Werkstoffe Tragkonstruktion, Verglasung, Schattierung bzw. Energieschirm, Lüftung, Automatisierung usw.). Die guten Lösungen kennst du ja eigentlich aus deiner Erfahrung. Ich werde dich mal anrufen, auch wenn ich sonst so schlampig in der Kontaktpflege bin. Darüber könnte ich stundenlang reden, weil ich über 10 Jahre geplant und gespart habe ...
Andere Beispiele - In der Regel Stahlkonstruktionen mit Glas- bzw. Doppelstegplatteneindeckung
GTD - Gewächshaustechnik http://www.gtd-dresden.de/
Siedenburger http://www.siedenburger.de/de/home.html
Die Firmen agieren deutschlandweit!
Erstmal viel Spass bei Stöbern!

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Denis Gödecke
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Re: Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Denis Gödecke » Montag, 24 Oktober 2016, 22:31

Eine Anmerkung muss ich noch im Klugscheißermodus loswerden ...
Ähnlich wie beim Wohnungsbau, hat sich beim Gewächshausbau viel getan, bei dem was möglich ist. Jeder muss für sich entscheiden, was nötig ist. Bei vielen Hobbyisten (z.B. Orchideenleuten) kann man z.B. in Foren beobachten, wie sie sich ihren Traum erfüllen. Da wird so preiswert wie möglich gearbeitet, ohne daran zu denken, dass nicht nur die Investition preiswert sein muss, sondern auch der Betrieb. Alle die schon länger ein GWH betreiben wissen, dass die Energie und die Bewirtschaftung auf Dauer heftig ins Geld gehen, z.B. wenn an der Dämmung spart oder elektrisch geheizt wird. Wenn eine Verbindung zum Wohnhaus besteht, sollte z.B. ein eigener Heizkreis an der Heizanlage geprüft werden. Oder wenn eine Lüftungsanlage vorhanden ist, kann man die mit einbinden. Also man muss das Energetische im Komplex sehen und insgesamt auf die Folgekosten achten. Auch ein Notbetrieb bei Stromausfall (im Winter) sollte abgesichert werden. Also viel Hirnschmalz bei der Planung vermeidet Tränen beim Betrieb. :eshifty
Klugscheißermodus aus :salut

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Timm Stolten
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Re: Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Timm Stolten » Dienstag, 25 Oktober 2016, 19:19

Hallo Denis,

erstmal Vielen Dank für Deine ausführlichen Tipps. Zum Glück haben wir, sollte das jetzt mit dem Hauskauf endgültig klappen, ja noch bis nächsten Herbst Zeit, was das Gewächshaus angeht. Es ist schon pein blich, den eigentlich sollte ich all das Technische ja mal gewusst haben. Aber die Berufs- und Meisterschule liegen über 20 Jahre zurück. Technik war nie meine Stärke und die letzten jahre habe ich damit auch nichts zu tun gehabt. Darum muß ich mich jetzt auch erstmal einarbeiten, was z.B. die Eindeckmaterialen angeht und was es an Steuerungen etc. gibt.

Optisch und von den Maßen her würde dies hier gut zum Haus passen:
https://www.beckmann-kg.de/Anlehnhaus-T ... &ci=213627
w2_073.jpg

Allerdings scheint es dort nur die vier Giebelklappen zur Lüftung zu geben, Seitenlüftungen wohl nicht, für Tillies etwas mager. Allerdings soll es ja auch nur ein Winterquartier werden. Oje, da raucht schon wieder der Kopf.

Ich werde Euch hier auf dem Laufenden halten und jetzt erstmal Deine Links abklappern.

Liebe Grüße, Timm
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Denis Gödecke
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Re: Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Denis Gödecke » Dienstag, 25 Oktober 2016, 20:49

Hallo Timm,
du sprichst es ja noch einmal direkt an. Das Eine ist der Wärmeschutz (Winter) und absolut wichtig der Hitzeschutz (Sommer). Das GWH soll ja nach SW ausgerichtet sein, d.h. im Winter gute Wärmegewinne vorausgesetzt in HH scheint mal die Sonne. Schwieriger ist immer das Andere - der Hitzeschutz. Die Sonne steht im Sommer senkrecht, d.h. eine Beschattung von Oben ist zwingend notwendig. Hierbei ist am Effektivsten die Aussenbeschattung, weil die Strahlung (i.S. von Energie) nicht erst in das Hausinnere gelangt. Andererseits ist eine Aussenbeschattung stärker der Wind- und UV-Belastung ausgesetzt. Ob innen oder außen - eine Beschattung sollte immer automatisiert betrieben werden, weil nicht immer jemand da ist, der ständig auf und zu zieht. Wenn der Raum hoch genug ist, wäre eine Innenbeschattung möglich. Diese wird dann als sog. Energieschirm ausgeführt, d.h. nachts fährt er zu und hält die Wärme unten (Winter). Ansonsten ist die Zuluft oberhalb des Energieschirms angelegt und die Abluft noch höher, wodurch eine Luftströmung unterhalt des Daches entsteht und die warme Luft stetig nach außen transportiert wird (auch wenn kein Lüftchen weht). Auch der Energieschirm wird automatisiert betrieben. Damit der Lufttransport funktioniert sollte die Dachneigung mind. 15 Grad betragen, sonst steht ne Wolke! Die Neigung hilft auch beim Feuchtigkeitstransport, da sonst Kondenswasser stehen bleibt und Schaden anrichten kann.
Für eine wirksame Grundlüftung werden logischerweise mehrere Öffnungen benötigt. Erst wenn es "zieht", kann auch die warme Luft abtransportiert werden. Du hast es bereits erwähnt - die Seitenklappen sind dafür die beste Lösung, weil vom unteren Bereich die Luft nach oben zu den Firstklappen zieht. Ersatzweise können hier auch ein oder zwei Türen/Fenster die Klappen ersetzen. Diese sind in der Regel dann nicht automatisiert und man muss sie einfach offenlassen (Einbruchschutz?). Seitenklappen werden zusammen mit den Firstklappen automatisiert. Die Tomatengewächshäuser haben meist nur ein oder wenige Dachfenster, die zudem dann mit Hydraulikantrieben ausgerüstet werden. Ein Elektroantrieb hat den Vorteil, dann First- und Seitenklappen synchron angesteuert und geöffnet werden können. Über einen Temperatursensor kann du einstellen, bei welcher Temperatur das GWH geöffnet und wann geschlossen wird. Bei einer Hydraulik (ÖL in Ausdehnung) ist das schwieriger. Da sind wir bei den Firstklappen. Also ein zwei Fenster sind notdürftig, wenn du bei 30+ Grad die Hitze loswerden willst. Es ist effektiver, dann den ganzen First bzw. beim Anlehn-GWH eine Seite des Firsten nahezu komplett zu öffnen. Hier gilt Zuluft = Abluft (muss man sich als Fläche vorstellen). Ich habe schon einige GWH gesehen, in denen stand eine Klimaanlage. Das ist natürlich das Gegenteil von Effektivität. Das meinte ich z.B. damit, dass man bei der Investition - dem Bau darauf achten muss, dass sich hinterher - beim Betrieb nicht hohe Folgekosten einstellen. Argumente wie: ich bringe im Sommer alles raus, sind da nicht passend, weil es auch heiße bzw. strahlungsintensive Vorfrühlingstage gibt.
So das war's zum Thema Grundlüftung für den Hitzeschutz, aber die Lüftung zwischen den Pflanzen, insbesondere in der Zeit, wenn die Klappen nicht öffnen, weil es draußen zu kalt ist, übernehmen "normale" Ventilatoren (z.B. mit einfacher Zeitschaltuhr) bzw. eine Raumlüftung, wenn das Haus über ein modernes Lüftungssystem verfügt. Aber das ist ein anderes, langes Thema.

Überlegenswert ist der Gedanke, ob man den inneren Boden absenkt. Die alten Erdgewächshäuser haben gut funktioniert, weil durch den umgebenen Boden eine gewisse Kühlung im Sommer erreicht wird und eine solide Wanddämmung durch den Boden im Winter. Der Raum wird größer und neigt weniger zum Überhitzen, man(n) kann richtig stehen und was oben hinhängen bzw. einen Energieschirm einbauen. An den Boden stellt man sowieso kaum Pflanzen, so dass ein gemauerter oder betonierter Simms (60 ... 90 cm) die eigentliche Arbeitshöhe verbessert. Früher wurden diese Häuser nur mit Klinkersteinen ausgelegt (Eigenleistung), wodurch überschüssiges Wasser versickern konnte und immer eine gewissen Grundfeuchte gegeben war. Allerdings müsste man eine kleine Treppe zum Absteigen einbauen und das kann im Alter auch zum Problem werden. Also nur eine Anregung von unseren Vorfahren, die auch clever waren.
Soweit jetzt erstmal ...
Herzliche Grüße !
PS: Bild --> So ist es ein gutes Tomatengewächshaus :wink:

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Timm Stolten
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Re: Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Timm Stolten » Mittwoch, 26 Oktober 2016, 19:37

Moin Denis, danke für deine ausführliche Antwort.
Die Probleme mit der Lüftung im Sommer sind mir sehr wohl bewusst, das Foto des Gewächshauses hatte ich auch nur deshalb eingefügt, um Dir mal zu zeigen, was uns größenmäßig vorschwebt.

Ich muss da aber gleich einhaken:
Wir wollen das Haus nur von Herbst bis Frühjahr nutzen! Im Sommer sollen alle Pflanzen raus. Selbst in Hamburg kann es im Sommer so warm werden, daß die Pflanzen da drin gerillt werden. Der Plan ist, von Ende Mai bis Ende September alles rauszuhängen bzw. in den Schatten zu stellen.

Was die alten Erdhäuser angeht, gebe ich Dir recht. Ich würde auch für offenen Boden plädieren. Allerdings gibt es in der gegend eine Menge Maulwürfe, weshalb wir dann wohl ein Streifenfundement anlegen müssten.

Den Sommer über könnte mal tatsächlich noch über Tomaten da drinne nachdenken, aber sonst nix.
Aktueller Stand: In einer Woche ist Termin beim Notar!

LG Timm
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Re: Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Jan Claus » Donnerstag, 27 Oktober 2016, 1:19

Hallo Timm,

Erfahrungen habe ich reichlich gesammelt und bin bereit diese zu teilen.
Bei Bedarf kannst Du gerne Anrufen und schaue doch mal auf den Link.
http://www.glashausbau.com/

Gruß
Jan

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Denis Gödecke
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Re: Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Denis Gödecke » Freitag, 28 Oktober 2016, 0:29

Guter Tipp, die haben ordentliche Klappen, Materialien und flexibel anpassbare Lösungen. :eclap

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Denis Gödecke
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Re: Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Denis Gödecke » Mittwoch, 2 November 2016, 23:03

Kann man gratulieren?

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Re: Planung eines Gewächshauses

Beitrag von Denis Gödecke » Donnerstag, 24 November 2016, 17:44

Informationen zur Planung und Ausrüstung - muss ja nicht dieser Hersteller sein.
Es gibt aber auch Preise zur Orientierung und gut technische Lösungen

http://www.kriegergmbh.de

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