Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Sie haben eine namenlose Bromelie? Vielleicht können wir Ihnen hier helfen. Anfragen am besten mit Bildern posten.
frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Sonntag, 7 Dezember 2014, 10:57

Im Stadtgebiet von Salta sind die Bäume in Parks oft von Tillandsien bewohnt. Besonders auf diesen mit rauher Rinde fühlen sie sich wohl:

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Und auch hier gab es blühende Exemplare, neben solchen, die gerade ihre Samen in den Wind entliessen. Es handelt sich wahrscheinlich wieder um T. didisticha.

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Für die Einheimischen ist man schon ein bisschen suspekt, wenn man mit zum Himmel gerichteter Kamera durch die Stadtparks läuft. Aber was tut man nicht alles, um Bilder für das Bromelien-Forum einzufangen :edance

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Woodman
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Re: AW: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von Woodman » Sonntag, 7 Dezember 2014, 11:22

frank.hoehnel hat geschrieben:Für die Einheimischen ist man schon ein bisschen suspekt, wenn man mit zum Himmel gerichteter Kamera durch die Stadtparks läuft. Aber was tut man nicht alles, um Bilder für das Bromelien-Forum einzufangen :edance

Tja Frank, der Dank wird Dir auch ewig hinterher eilen!
Dein Reisebericht ist bereits im Bilder-Index integriert.
LG Klaus
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frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Sonntag, 7 Dezember 2014, 15:09

Unser nächstes Ziel Cachi liegt wieder in den Bergen. Von Salta kommend tauchen wir wieder in den Gürtel der Yungas-Wälder mit der reichen Epiphyten-Vegetation ein. Man muss nur wenige Meter vom Strassenrand gehen, um Tillandsien und epiphytische Kakteen zu finden.

Hier vermulich wieder eine Kugel von T. tenuifolia:

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Daneben diese Tilli mit Blüten und Früchten, duch die sich ein Rhipsalis rankt:

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Hier kann man sehr schön sehen, wie sich die Samen auf ihre Flugreise begeben:

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In meterlangen Schnüren hängen Rhipsalis mit reifen Früchten von den Ästen herab:

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frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Sonntag, 7 Dezember 2014, 15:16

Wir befinden uns jetzt auf einer Höhe von etwa 1500 m.
Dieser kleinen Tilli-Art kann ich keinen Namen zuordnen:

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Die hier dürfte in die Verwandschaft von T. bryoides gehören:

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Auch auf glatter Rinde finden sie Halt:

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An einem Felsen wuchs diese Bromelie, die ich leider nicht bestimmen kann:

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frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Sonntag, 7 Dezember 2014, 15:29

Wenn man die Yungas-Wälder durchquert hat und der trockene Teil der Quebrada de Escoipe beginnt, wachsen sehr schön blühende, etwa 2 Meter hohe Sträucher:

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Die gefiederten Blätter lassen vermuten, dass sie zu den Hülsenfrüchtlern (Leguminosen) gehören.

Am Ende der Quebrada schraubt sich die Schotterpiste in spektakulären Windungen die Custa del Obispo hinauf bis zum Pass in 3400 m Höhe.

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Irgendwie bildet sich auf allen Schotterpisten von allein ein wellenartiges Muster. Wenn man mit einer für Schotterpisten angemessenen Geschwindigkeit von 40 km/h über dieses Waschbrett fährt, wird Mensch und Material unerträglich durchgeschüttelt. Da hilft nur Fuss auf's Gaspedal und mit 60 km/h drüberfliegen. Man zieht dann allerdings eine 100 m lange Staubwolke hinter sich her und das Auto sieht nach wenigen Tagen aus wie ein Dreckschwein. Zum Glück hatten wir uns trotz des sehr hohen Mietpreises für einen halbwegs geländetauglichen SUV mit grösserer Bodenfreiheit entschieden, mit einem PKW wäre unsere Tour nicht denkbar gewesen.

Arvensis
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von Arvensis » Sonntag, 7 Dezember 2014, 16:33

Sehr schöne Bilder !

Bei den Deuterocohnia (Abromeitiella) vermute ich mal D. lorentziana, ich meine es gibt diese in unterschiedliche (Farb-)Varietäten und Größen.

Die kleine Tillandsie mit den "Stummelblättern" auf 1.500m - hmm, T. hirta oder erecta ?

Bei Dyckia und Hechtia kenne ich mich nun gar nicht aus, aber hier im Forum ist ein Thread dazu...
Dyckia und Hechtia

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cyrill
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von cyrill » Sonntag, 7 Dezember 2014, 18:45

Fantastisch!

Besten Dank dafür Frank, da kommen Erinnerungen hoch!

Die kleinen Deuterocohnien sind schwierig auseinanderzuhalten, ausser bei der gelbblütigen D.digitata welche abgesetzte Blütentriebe macht. Man findet bei den kleineren Formen welche mit und ohne Zahnung, grauer und grüner, grösser , kleiner....- in Kultur an den Sämlingen sieht man es dann noch deutlicher.

Die schön rot blühende Tillandsia an den Felsen in der Toro dürfte T. friesii sein.

Und bei der Leguminsose aus der Escoipe wird es sich um den Paradiesvogelbusch (Caesalpinia gilliesii) handeln.Wenn du frostfrei überwinterst sind das bei uns hübsche Gartenstauden und setzten auch hier willig Früchte an.

Schau dich betreffend der kleinen Tillis mal bei der Homepage von Hromadniks um oder schreib sie mal direkt an, sie haben wohl die grösste Erfahrung mit den Diaphoranthema`s.

Falls Du Kakteen bestimmt haben willst sthe ich Dir gerne mit Rat zur Seite!

Freu mich auf weitere Bilder

Cyrill
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frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Sonntag, 7 Dezember 2014, 21:43

Arvensis hat geschrieben:Die kleine Tillandsie mit den "Stummelblättern" auf 1.500m - hmm, T. hirta oder erecta?


Das Bild von T. hirta hier http://www.tillandsia.at/bolivien.htm sieht meinem schon ähnlich. Allerdings wächst die dort gezeigte auf 3000 m Höhe an Säulenkakteen, also in einem deutlich anderen Klima. Aber vielleicht ist sie ja so anpassungsfähig.

frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Sonntag, 7 Dezember 2014, 21:53

cyrill hat geschrieben:Die schön rot blühende Tillandsia an den Felsen in der Toro dürfte T. friesii sein.


Ja, ich habe mir mal Bilder zu T. friesii angeschaut und das dürfte passen.

cyrill hat geschrieben:Falls Du Kakteen bestimmt haben willst stehe ich Dir gerne mit Rat zur Seite!


Einen Bericht über die Kakteen auf meiner Reise werde ich in einem Kakteenforum einstellen, wenn ich den hier fertig habe. Vielleicht bist du ja auch in diesem Kakteenforum unterwegs, ansonsten werde ich zwecks Artbestimmung gern auf dein Angebot zurückkommen und dich hier kontaktieren.

frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Sonntag, 7 Dezember 2014, 22:19

Wenn man den Pass der Cuesta del Obispo hinter sich lässt, kommt man in eine grandiose, für Bromelien allerdings nicht bewohnbare Landschaft.

Auf diesem Bild ist ein Wald aus Cardones-Kakteen zu sehen, der sich bis zum Horizont erstreckt.
Da man davon bei der Forum-eigenen Bildgrösse von 640 Pixeln nichts erkennen würde, hänge ich das Bild etwas grösser dran, man muss es also explizit in Vollgrösse anzeigen lassen.

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Die Wolken, die sich an der östlichsten Kordillerenkette gebildet haben, überqueren gerade noch den Kamm und lösen sich dann auf.

Von Cachi fahren wir weiter nach Cafayate durch eine unglaubliche Landschaft, hier nur ein Bild von der Quebrada de las Fechas, wieder zum grösser anschauen:

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Und man ist fast überall allein.

frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Sonntag, 7 Dezember 2014, 22:35

Von Cafayate fahren wir weiter auf der Ruta Nacional 40 nach Süden. Während die 150 km von Cachi nach Cafayate Schotter- bzw. Staubpiste waren, können wir auf diesem Abschnitt grösstenteils Ashpaltstrasse geniessen.

Das Klima in dieser Gegend ist immer noch sehr trocken, wir befinden uns jetzt aber unter 3000 m Höhe. Und hier können schon die ersten Bromelien existieren, die Dyckias:

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Dyckias bilden in mehreren Arten riesige Bestände und bedecken grosse Flächen der felsigen Hänge. Und zwar immer da, wo ich auf Kakteenpirsch gegangen bin. Aber obwohl sie mit ihren stacheligen Blättern furchteinflössend aussehen, sind sie bei weitem nicht die unangenehmsten Bewohner der steilen Hänge. Da gab es so manches andere Stachelmonster, dass sich an der Kleidung oder der Haut festhaken wollte. Ich muss gestehen, dass ich beim Klettern auf steilen Felshängen manchmal sogar auf die eine oder andere Dyckia drauftreten musste, um irgendwie vorwärts zu kommen. Und nach jeder noch so kurzen Pflanzen-Pirsch war Schuhe ausräumen angesagt, um die ganzen stacheligen blinden Passagiere zu entfernen.

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Die Hauptblütezeit der Dyckias war vorbei. Aber vereinzelt gab es doch noch Nachzügler-Blüten zu sehen:

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frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Sonntag, 7 Dezember 2014, 23:13

Kurz vor Belen zwängt sich die Strasse durch eine enge Felsenschlucht. Wir befinden uns auf etwa 1300 m Höhe. Vom Auto aus haben wir gelbe Blüten gesehen. In einer halsbrecherischen Klettertour kämpfe ich mich bis zu den Blüten durch das Stachelgestrüpp, sie gehören zu Trichocereus huascha.
Beim Abstieg dann die Überraschung: in den niedrigen, blattlosen aber um so dornigeren Sträuchern hängen Tillandsia duratii:

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Mit ihren eingerollten Blättern klammern sie sich im dünnen Geäst der Sträucher fest:

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Mit ihrer grauen Farbe sind sie nur bei genauem Hinschauen zu erkennen, deshalb habe ich sie beim Aufstieg auch übersehen:

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Sie wirken ziemlich schlaff, kein Wunder zum Ende der Trockenzeit in dieser wirklich trockenen Gegend.
Die Blütezeit liegt noch nicht allzu lange zurück, die Blütenreste lassen z.T. noch Farben erahnen.

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Da die Sträucher, auf denen sie wohnen, nur bis zu 3 Meter hoch sind, präsentieren sie sich in bester Fotografier-Höhe.

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cyrill
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von cyrill » Montag, 8 Dezember 2014, 6:28

Liebe Bromelienfreunde,
Lieber Frank,

An den Wolkenkratzerhängen sind wohl die Arten- und Individuenreichsten Habitate zu finden .
Teilweise stehen dort gewisse kleinwüchsige Kakteen so dicht, dass es schwierig ist nicht auf eine Pflanze zu treten.

Bei der gelbblütigen Rosette dürfte es sich wohl um Deuterocohnia longipetala (Baker) Mez.handeln.
Man findet sie bis weit südlich z.B San Juan.

Die Hochebene der Cachipampa ( Parque Nacional de los Cardones) ist landschaftlich wie botanisch sehr interessant und von Salta her relativ leicht und schnell zu erreichen.

Schöne duratii- Aufnahmen!
Quid pro quo

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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Montag, 8 Dezember 2014, 20:26

cyrill hat geschrieben:An den Wolkenkratzerhängen sind wohl die Arten- und Individuenreichsten Habitate zu finden .
Teilweise stehen dort gewisse kleinwüchsige Kakteen so dicht, dass es schwierig ist nicht auf eine Pflanze zu treten.


Habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden hatte, was du mit "Wolkenkratzerhänge" meinst :ewall
Da habe ich wohl etwas verpasst, denn nach Kakteen habe ich gerade dort nicht gesucht.

frank.hoehnel
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Re: Reise durch den Nordwesten Argentiniens

Beitrag von frank.hoehnel » Montag, 8 Dezember 2014, 20:44

An der Grenze zwischen den Provinzen Catamarca und La Rioja kreuzt die Ruta Nacional 40 die Ruta Nacional 60. Die letztere führt durch die Hochanden über einen 4700 m hohen Pass nach Chile und ist durchgehend asphaltiert. Vom letzten Vorposten der Zivilisation, dem Dorf Fiambala, haben wir uns auf die 150 km lange Fahrt in die absolute Einsamkeit begeben. Trotz des guten Zustands der Strasse und obwohl es eine der wenigen Möglichkeiten zur Überquerung der Anden ist, sind uns den ganzen Tag lang weniger als 10 Autos begegnet. Und das in einer Landschaft, die unbeschreiblich schön ist. Wahrscheinlich haben wir dort die schönsten Bilder unserer Reise geschossen. Aber da es hier um Bromelien geht, zeige ich nur mal zwei Bilder, bitte wieder in voller Grösse anschauen:

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Während die Strasse langsam bis auf über 4500 m ansteigt, schaut man immer mal wieder auf die erloschenen Vulkane, von denen die höchsten fast 7000 m hoch sind.

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Die Vegetation besteht im oberen Teil dann nur noch aus gelbem Büschelgras.
Immer wieder sind wir Vicunas, den eleganten wilden Lamas begegnet. An einer Lagune kauten Flamingos den salzigen Schlamm durch, liessen uns aber nicht auf gute Fotografier-Reichweite herankommen.

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