In vitro Vermehrung - Erfahrungsbericht

Fragen zur Kultur und Pflege, Vermehrung, Düngung, Technik,
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TimM
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In vitro Vermehrung - Erfahrungsbericht

Beitrag von TimM »

Hallo zusammen,
für dieses Jahr habe ich mir ein neues Projekt ausgesucht – die in vitro Vermehrung von Tillandsien (und Bromelien allgemein). Bei Orchideen ist dies ja gang und gäbe, und auch für Bromelien in der Literatur beschrieben, hat allerdings scheinbar deutlich weniger Einzug in den Hobbybereich gefunden. Vor Langem wurde auch hier im Forum über dieses Thema diskutiert, allerdings blieb das alles theoretisch. (viewtopic.php?p=1361)

Daher hier eine kurze Auflistung der Vor- und Nachteile (sicherlich ziemlich subjektiv):

Vorteile:
- hohe Keimquote
- „optimale“ Bedingungen möglich: schnelles Wachstum
- aus einem einzigen Samen lassen sich mehrere Pflanzen gewinnen
- „pflegeleicht“ (nunja, die Kulturen selbst benötigen kaum Pflege – wenn dann ist allerdings steriles Arbeiten nötig)
- geringer Platzbedarf

Nachteile:
- hoher finanzieller und apparativer Aufwand (Sterilbank, Autoklav, Medien, Chemikalien, Zubehör etc.)
- Vorwissen erforderlich (oder zumindest hilfreich)

Nun habe ich allerdings alles Notwendige zusammen und bereits einige Experimente durchgeführt. Die entsprechenden Ergebnisse möchte ich euch nicht vorenthalten:
A. recurvata, 1 Monat
A. recurvata, 1 Monat
A. recurvata var. benrathii nach einem Monat. ca. 90% Keimquote. Eine konventionelle Aussaat blieb hier erfolglos (Pilzwachstum).


T. monadelpha, 1 Monat
T. monadelpha, 1 Monat
T. monadelpha, 1 Monat. ca. 90% Keimquote.


T. ionantha, 10 Tage
T. ionantha, 10 Tage
T. ionantha, 10 Tage.


Nun die wichtigste Frage: Besteht hier Interesse an dem Projekt? Dann berichte ich gerne weiter. Oder vielleicht hat hier jemand bereits selbst Erfahrung gesammelt und ist an einem Austausch interessiert? Gibt es Arten, bei denen ihr eine in vitro Aussaat für besonders interessant haltet? Oder möchte sich vielleicht sogar jemand mit interessanten Samen am Projekt beteiligen?

Ich freue mich auf euren Input!
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pela
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Re: In vitro Vermehrung - Erfahrungsbericht

Beitrag von pela »

Hallo

Sehr Interessantes Thema.

Vor etlichen Jahren , hate Ich mal damals bisschen hinein gelesen.
Aber damals hat Mich der finanzieller und apparativer Aufwand abgeschreckt und auch die Zeit da im Beruf noch Aktiv war und monatelang im Ausland war.
Jetzt im Ruhestand , wurde es auch nicht besser mit der Zeit.
Mehr zuhause aber eben……..

Mit freundlichen Grüssen
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TimM
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Re: In vitro Vermehrung - Erfahrungsbericht

Beitrag von TimM »

Das ist schon richtig - der apparative und damit leider auch finanzielle Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Es ist und bleibt eben ein Hobby.

Mittlerweile ist ein wenig mehr Zeit vergangen, und die Aussaat hat sich gut entwickelt.
T. monadelpha, etwa 4 Monate
T. monadelpha, etwa 4 Monate
T. ionantha, etwa 4 Monate
T. ionantha, etwa 4 Monate
Zusätzlich habe ich nun auch noch T. aizoides, T. angulosa und T. loliacea ausgesät. Wie erhofft zeigen sich die in vitro Kulturen bis dato absolut pflegefrei. Gefühlt ist das Wachstum auch schneller, als bei normaler Aussaat. Allerdings habe ich hierzu noch keinen Kopf-an-Kopf Vergleich gestartet - und ggf. sind meine normalen Aussaatbedingungen auch nicht optimal.

Bis jetzt konnte ich auch noch keine Probleme mit Kontamination feststellen - solange das Saatgut richtig vorbehandelt wird.
Uiver
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Re: In vitro Haltung

Beitrag von Uiver »

Vielen Dank für das zeigen! Interessant ist im diesem Zusammenhang die sterile Haltung unter Kunstlicht beim Herrn Dr. Takizawa welche auf Instagram zu sehen ist:
https://www.instagram.com/p/C9FL5ahymyy ... hare_sheet
Auf Instagram sind auch Detailaufnamen der Pflanzen in steriler Kultur zu sehen.
Dr. Takizawa ist aktiver President der Bromeliad Society of Japan welche 1998 gegründet wurde.
Uiver
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Re: In vitro Vermehrung - Erfahrungsbericht

Beitrag von Uiver »

Eine Manier die bei der Pilzaufzucht verwendet wird ist mittels "self healing plug" also Silikonstöpsel der sich von selbst wieder schließt.
Kann kleineres Saatgut via Spritze eingebracht werden? Probieren geht über studieren, hier also mein Erfahrungsbericht.
Ein Schnellkochtop sterilisiert den geschlossen PP-Container, durch Trick der Druckausgleich ermöglicht.
Neben dem Silikonstöpsel muss noch eine Druckausgleichsbohrung angebracht werden die mittels Micropore Klebeband verschlossen wird.
Der Schnellkochtopf kühlt nach dem Kochen ab und ist schon nicht mehr steril.
Es sind alles keine Idealbedienungen, aber es muss ja keine hohe Erfolgsquote sein.
Der Fokus liegt auf dem Saatgut einbringen ohne Kontamination. Es ist ja etwas anderes als winzige Pilzsporen.
Ansonsten gibt es schon Erfahrungen (hab die Umschreibung im Carnivoren Forum gefunden).

Das Saatgut ist vorzubereiten durch die Syssiphusarbeit Härchen wegschneiden. Anschließend Desinfektion mit Handschuhen an und Bleiche. Die Bleiche nicht mit dem hochprozentigen Isopropanol mischen und auch kein Feuer machen. Abwaschen des desinfizierten Saatguts mit Schnellkochtopf Kochwasser.
Spritze Unterdruck, sammeln vom Saatgut in der Kanüle.
1. Versuchsreihe
Saatgut bleibt in Spritze kleben, versuch Misslungen. Auch Spülmittel hilft nicht.
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Bild1: Anhaftend trotz Spülmittel, versuch Misslungen.
Vielleicht ist es durch einen mir unbekannten Zusatzstoff zu beheben?
Da in der Kanüle selber nichts angehaftet hat, hab ich eine mechanische Anpassung getestet.
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Bild2: Blick in Kanüle
Dafür wurde die Kanüle präpariert mit Hochtemperatur Silikon kleber Pfropen. In den Pfropfen wird dann ein Loch gebohrt mit Miniaturbohrer. Somit entsteht eine mechanische Barriere um das Saatgut in der Kanüle zu behalten.
Einbringen von Flüssigkeit mit dem Saatgut hat in Theorie den Vorteil das schwenken zum Verteilen auf der Mediumoberfläche möglich wird.

Durch die kleinere Öffnung wird weniger Unterdruck beim aufziehen der Sprize erzeugt.
Es macht keinen Spaß so einzelnes Saatgut aufzuziehen. Es kommt so zu wenig in den Container.
Will den self-healing-plug wenn möglich nicht mehrmals durstechen.
Es kann passieren das die Nadel verstopft durch ausstechen von Silikon.

Nach einigen Monaten breitet sich auf dem Medium eine Kontamination aus, die unterschiedlich aussieht qua Farbe und Ausbruchsstelle. Noch nicht getestet ist abkleben für vermutlich längeren Schutz vor eindringen.
Ein paar Monate sind jedenfalls zu kurz.
Abgesehen davon hat die Keimung noch nicht geklappt, jedoch kann das wohl behoben werden.
Kann noch nichts zum Nährmedium sagen, jedoch gibt es hierzu viele Erfahrungsberichte auch bei Bromelien.

Bei meinem ersten Versuch ist das Saatgut in der Spritze kleben geblieben. Beim zweiten Versuch hab ich festgestellt das zum Beispiel Pitcarina und Aechmea zu groß ist für die Kanüle. T. bryoides (minutiflora) scheint zum Beispiel zu klein für die präparierte Kanüle
Bei kleinem Unterdruck (durch kleine Öffnung im Silikonpropfen) klappt das einsaugen von Saatgut nicht gut.

Bisheriges Fazit:
- Saatgut vorbereiten Aufwändig
- Unsicherheit über Kontaminationsausbruch
- Bisher erreichter Zeitraum bis Kontaminationsausbruch noch nicht akzeptabel
- Saatgut Abmessungen abhängig
- Chargenweise Abhandlung, Zwiachenlagerung von Saatgut benötigt

Am wichtigsten ist mir das sich keine Kontamimation sich ausbreitet weil es soll ohne tägliche Kontrolle gut gehen.
Deswegen werde ich noch testen ob Container versiegeln mit Parafilm eine Verbesserung bietet.

Bild3: Hochtemperatursilikon Propfen mit Spritze in Kanüle schieben und dann mit der Maschine aufbohren
Dateianhänge
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TimM
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Re: In vitro Vermehrung - Erfahrungsbericht

Beitrag von TimM »

Vielen Dank für deine Erfahrungen und die "Leidensfähigkeit".

Wie du beschreibst, stelle ich mir das Desinfizieren und Aussäen mit Spritze und Kanüle für Bromeliensamen recht anstrengend vor. Ich selbst desinfiziere in einfachen Eppendorftubes durch pipettieren der entsprechenden Lösungen. Das klappt auch für viele Samen gleichzeitig problemlos, erfordert allerdings leider eine Sterilbank.

Mittlerweile habe ich eine weitere in vitro Kulturform ausprobiert: temporary immersion. Das scheint wirklich gut zu funktionieren und eignet sich auch zur Vermehrung. In meinem einfachen Fall wird zur Immersion in der Nährlösung das Gefäß einfach umgedreht, das Innenleben ist mit dem 3D-Drucker hergestellt.

Zugegeben, ich habe das hier gezeigte Vial (zu) lange vernachlässigt, teilweise Monate ohne Immersion und so sicherlich eher suboptimales Wachstum erreicht. Auch die Belüftung wurde vernachlässigt (die gab es nämlich nicht). Trotzdem sehen die T. loliacea gut aus und aus einer einzelnen Pflanze ist mittlerweile ein kleiner Klumpen geworden. Mit besseren Bedingungen (Belüftung, regelmäßige Immersion, Tausch des Mediums) sehe ich hier viel Potential besonders zur Vermehrung seltener Arten.
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Uiver
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Re: In vitro Vermehrung - Erfahrungsbericht

Beitrag von Uiver »

Vielen Dank für das Zeigen vom temporary immersion.
Das Medium ist hierfür vermutlich dünnflüssig, also nur Wasser mit minimal Nährstoffen?
Es sieht sehr professionell aus und der Erfolg spricht für sich.

Hab selber scheinbar so einiges an Aussaht erstickt in einer Wasserlage auf dem Medium.
Habe mittlerweile auch ein bisschen was gekeimtes, nur die Wachstumsrate ist bisher mau.

Bei mir sind ein paar PP container beinahe seit 9 Monaten frei von sichtbarer Kontamination!
Deswegen bin ich sehr optimistisch das auch ohne Sterilbank was möglich ist.
Hab jetzt gewechselt auf Einmachgläser mit Glasbohrungen.
Muss dann in Zukunft irgendwann die Deckel ersetzen und kann das Glas immer wieder verwenden.
Wenn ich dann über die Glasbohrungen direkt im nachhinein Parafilm wickele brauch ich auch kein Hochtemperatursilikon mehr, soweit die Theorie.
Ausserdem hab ich jetzt kleine Edelstahl Siebchen die auch bei Wasserpfeifen genutzt werden.
Mit den Siebchen kann ich die desinfizierte Saat abtropfen lassen im Röhrchen.
Vielleicht geht auf die Manier mit den Siebchen im Röhrchen auch was mit temporary immersion.
Kann den Röhrchen-Verschuss immernoch drauf drehen.
Das wäre ja am einfachsten qua Aufwand wenn temporary immersion funktioniert.
Werde es direkt mal testen parallel zum Agar Medium.
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Hab bei der letzten Charge mit einer BBQ Soßenspritze getestet und hab vor in Zukunft durch die Kanüle zu stopfen statt mit Unterdruck auf zu ziehen.
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Es dauert leider sehr lange bis ich wieder was an reifen Samen hab um zu testen.
Vielleicht mach ich zwischendurch was mit der ähnlich geformten Salat Saat um den Prozess zu optimalisieren.
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